
Und warum eine ausgewogene Ernährung manchmal allein nicht ausreicht.
Diese Frage habe ich mir selbst gestellt.
Nach meinen Schwangerschaften hatte ich das Gefühl, ständig Infekte aufzuschnappen. Ich war müde, weniger belastbar und hatte das Gefühl, meinem Körper fehle etwas – obwohl ich großen Wert auf eine gesunde Ernährung legte.
Erst durch gezielte Nährstoffanalysen wurde deutlich, dass tatsächlich verschiedene Mikronährstoffe nicht optimal versorgt waren. Das brachte mich dazu, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dabei wurde mir schnell klar: Ich bin mit dieser Erfahrung nicht allein.
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, hochwertigen Eiweißquellen und gesunden Fetten ist die Basis für Gesundheit. Darüber besteht unter Fachleuten weitgehend Einigkeit.
Dennoch kann es vorkommen, dass Menschen trotz eines bewussten Lebensstils nicht optimal mit allen Mikronährstoffen versorgt sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Dieses Thema wird häufig kontrovers diskutiert – und die Antwort ist differenzierter, als viele Schlagzeilen vermuten lassen.
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei einigen Obst- und Gemüsesorten die Konzentration bestimmter Vitamine und Mineralstoffe im Vergleich zu früheren Jahrzehnten zurückgegangen ist. Gleichzeitig zeigen die Daten aber auch, dass diese Entwicklung nicht für alle Lebensmittel und nicht für alle Nährstoffe gleichermaßen gilt.
Als mögliche Ursachen werden verschiedene Faktoren diskutiert. Dazu gehören moderne Züchtungsmethoden, die auf hohe Erträge und schnelles Wachstum ausgerichtet sind, veränderte Anbaubedingungen sowie der sogenannte Verdünnungseffekt: Wächst eine Pflanze schneller oder bildet mehr Biomasse, verteilen sich bestimmte Nährstoffe auf eine größere Menge Pflanzenmaterial, sodass ihre Konzentration sinken kann. Auch Lagerung, Transport und Verarbeitung können den Gehalt einzelner Vitamine beeinflussen.
Die oft zu hörende Behauptung, unser Obst und Gemüse enthalte heute pauschal „50, 70 oder sogar 80 Prozent weniger Nährstoffe“, lässt sich durch die aktuelle wissenschaftliche Evidenz jedoch nicht stützen. Vielmehr zeigen die verfügbaren Daten, dass die Veränderungen je nach Kulturpflanze, Sorte, Anbaubedingungen und Nährstoff sehr unterschiedlich ausfallen können.
Die gute Nachricht ist: Wir können selbst einiges dazu beitragen, möglichst nährstoffreiche Lebensmittel auf den Teller zu bringen. Saisonales Gemüse aus der Region, kurze Transportwege und vertrauensvolle Produzenten sind oft eine gute Wahl. Noch besser ist es, wenn Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten oder Hochbeet stammen – hier können Erntezeitpunkt und Frische optimal genutzt werden, was insbesondere bei empfindlichen Vitaminen von Vorteil ist.
Aus meiner persönlichen Erfahrung und meiner Arbeit in der Ernährungsberatung fällt außerdem auf, dass Menschen, die regelmäßig eigenes Obst und Gemüse anbauen oder einen großen Teil ihrer Lebensmittel selbst erzeugen, häufig sehr gut mit Nährstoffen versorgt sind. Ob dies allein auf den Eigenanbau zurückzuführen ist oder auch mit einem insgesamt gesundheitsbewussten Lebensstil zusammenhängt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Dennoch zeigt diese Beobachtung, welchen Wert frische, vielfältige und möglichst naturbelassene Lebensmittel für unsere Ernährung haben können.
Für mich bedeutet das vor allem eines: Eine gesunde Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage für eine gute Versorgung. Gleichzeitig lohnt es sich, auf die Qualität unserer Lebensmittel, die Gesundheit unseres Darms und den individuellen Nährstoffbedarf zu achten – denn all diese Faktoren tragen dazu bei, wie gut unser Körper letztlich versorgt ist.
Selbst wenn die Ernährung ausgewogen ist, kann der individuelle Bedarf erhöht sein.
Dazu gehören unter anderem:
In diesen Lebensphasen benötigt der Körper häufig mehr Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente als unter normalen Bedingungen.
Nicht nur das, was wir essen, ist wichtig – sondern auch das, was unser Körper tatsächlich aufnehmen kann.
Ein gesunder Darm spielt dabei eine zentrale Rolle. Er sorgt dafür, dass Vitamine, Mineralstoffe und andere Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen und dem Körper zur Verfügung gestellt werden.
Ist die Darmschleimhaut beeinträchtigt oder das Gleichgewicht des Mikrobioms gestört, kann dies die Nährstoffverwertung beeinflussen.
Deshalb betrachte ich Darmgesundheit und Nährstoffversorgung immer gemeinsam.
Kein Mensch ist wie der andere.
Genetik, Verdauung, Lebensstil, sportliche Aktivität und gesundheitliche Voraussetzungen unterscheiden sich erheblich. Während die Ernährung für den einen völlig ausreichend ist, kann sie für den anderen trotz ähnlicher Essgewohnheiten nicht optimal sein.
Aus diesem Grund halte ich individuelle Betrachtungen oft für sinnvoller als allgemeine Empfehlungen.
Ein Mangel zeigt sich häufig nicht durch ein einzelnes typisches Symptom, sondern durch unspezifische Beschwerden wie:
Diese Symptome können selbstverständlich viele Ursachen haben und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Eine gesunde Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage für unsere Gesundheit.
Gleichzeitig zeigt die wissenschaftliche Forschung, dass der Nährstoffgehalt einzelner Lebensmittel variieren kann und moderne Lebensumstände den Bedarf zusätzlich beeinflussen. Hinzu kommt, dass eine gute Verdauung und ein gesunder Darm entscheidend dafür sind, wie viele Nährstoffe tatsächlich im Körper ankommen.
Wer trotz eines gesunden Lebensstils unter anhaltenden Beschwerden leidet, sollte daher nicht nur auf den Speiseplan schauen, sondern den gesamten Menschen betrachten – einschließlich Darmgesundheit, Lebensstil und individueller Nährstoffversorgung.
Denn Gesundheit beginnt nicht erst bei der Behandlung von Krankheiten, sondern bei einer optimalen Versorgung des Körpers mit den Bausteinen, die er jeden Tag braucht.
Quellen:
Davis, Donald R. „Declining Fruit and Vegetable Nutrient Composition: What Is the Evidence? “HortScience, Bd. 44, Nr. 1, Februar 2009, S. 15–19. DOI.org (Crossref), https://doi.org/10.21273/HORTSCI.44.1.15.
Mayer, Anne-Marie Berenice, u. a. „Historical Changes in the Mineral Content of Fruit and Vegetables in the UK from 1940 to 2019: A Concern for Human Nutrition and Agriculture“. International Journal of Food Sciences and Nutrition, Bd. 73, Nr. 3, April 2022, S. 315–26. DOI.org (Crossref), https://doi.org/10.1080/09637486.2021.1981831.